Das UPDÄTE #2
Substack vs. Federball ++ Die Februar-Neuzugänge ++ Schreiben auf Englisch? ++ Substack Recording Studio ++ Im Fragebogen: Anna Doplmayr („schmaeck“)
Liebes Substäck,
brauche ich Substack eigentlich? Die Frage muss erlaubt sein. Nein, anders: Es wäre doof, sich die Frage nicht zu stellen. Ganz frei von Hype-Versprechungen laut denen irgendwas irgendein irgendwie heißer Scheiß ist.
Die Frage drängt sich erst recht auf, wenn die Leistungen zicken, die die Plattform verspricht. Jede kennt jemanden, der jemanden kennt, die schon mal das unbestimmte Gefühl hatte, dass zwei im Prinzip gleiche Substack-Notes einmal zwei und einmal zweihundert Likes bekamen.
Legion ist die Zahl der Beiträge, die die Verunsicherung melken wollen zu lindern versuchen mit exklusiven Wahrheiten über den Substack-Algorithmus plus den obligatorischen „37 Takeaways, die du jetzt anwenden musst, wenn 2026 dein Substack-Business um 7.000 Prozent wachsen soll“.
Gemeinsam ist all den Beiträgen, dass sie keine Ahnung haben – nämlich keine Ahnung haben können. Weil der Einblick in den Code fehlt. Weil der Algorithmus morgen eh wieder ein anderer ist.
Communities kann jede*r basteln auch ohne eine Plattform wie Substack. So wie es gutgehende Läden ohne Schaufenster gibt. So wie ich mich mit drei Menschen zum Federball im Park verabreden kann, und jede Woche stoßen drei neue hinzu.
Die gute Nachricht ist: Die Antwort, ob sich Substack für mich lohnt, kann ich mir selbst geben. In Wahrheit bin ich der einzige, der sie mir geben kann. Denn die Variablen in meiner „Lohnt sich das?“-Gleichung kenne ich am besten (eine wohltuende Abwechslung zu den absoluten Guru-Analysen ist deshalb diese Bestandsaufnahme).
In meiner eigenen Kalkulation steht der „Substack-Geist“ weiter ganz oben auf der Haben-Seite. Der lässt sich nicht in eine Tabelle quetschen, wirkt aber so kräftig, dass ich mich regelmäßig frohgemut durch die stacheligen Stunden vor der Newsletter-Deadline tippe.
Kollaborieren, reden statt Recht haben, den eigenen Vorteil kurz vergessen – das setzt was frei. Klingt zwar nach Wand-Tattoo im Coworking-Space, aber muss deshalb ja nicht falsch sein.
Der Substack-Geist, den ich meine, das ist zum Beispiel Anna Doplmayr, die in diesem UPDÄTE das Fragebogen-Interview hat über sich ergehen lassen und so Erfahrung verschenkt an andere.
Nina Klose beantwortet ab heute einmal im Monat im UPDÄTE die drängendsten Creator-Fragen. Der Substack-Geist, den ich meine, ist auch, dass Nina viel kompetenter ist als ich in Sachen Substack-Praxis und ich froh sein darf, dass sie diesen Newsletter schlauer macht.
In diesem Geiste!
Beste Grüße
Andreas
Wällkommen
Diese Substacks sind im Februar dazugekommen zum wirklich wahren Substack-Verzeichnis.
Das vollständige Substäck findest du hier (du kannst nach Namen suchen und nach Interessen filtern). Wenn du einen Substack eintragen willst – egal, ob es dein eigener ist oder der einer*s anderen Autor*in –, dann klick auf den Button:
Einträglich
Food-Bloggerin Anna Doplmayr puts the Österreich in „Substacks aus Deutschland, Österreich und der Schweiz“. Sie ist seit 2024 auf Substack. Warum sie ihr einjähriges Plattform-Sabbatical heute als Fehler betrachtet, verrät sie unten.
Wer hat gesagt, dass du einen Substack brauchst – dein Kopf oder dein Bauch?
Beides! Ich hatte einen Foodblog ohne echtes Konzept, es war einfach nur „noch ein Foodblog“. Dann entdeckte ich Substack und es machte Klick: Ich begann, Rezepte nicht mehr als Archiv zu sehen, sondern als News.
Die Frage ist nicht „Was koche ich irgendwann mal?“, sondern „Was koche ich diese Woche?“ – und die Antwort liegt schon im Postfach. Spargelrisotto im Frühling, das beste French-Toast-Rezept für den Muttertagsbrunch, gebratene Pfirsiche im Spätsommer. Das richtige Rezept, genau dann, wenn man’s braucht.
Jedenfalls bin ich ein großer Substack-Fan. Hinzu kommt, dass sich die deutschsprachige Community noch wie ein kleines Dorf anfühlt. Das macht es irgendwie besonders.
Was teilst du in deinem Substack mit wem?
Noch nie gab es so viele Rezepte und trotzdem kochen die meisten immer dasselbe. Da will ich ansetzen. Alle zwei Wochen verschicke ich drei Gerichten zu einem saisonalen Thema.
Der Unterschied zu anderen Food-Newslettern: Ich entwickle die Rezepte nicht selbst – ich kuratiere. Vergessene Kochbuch-Perlen, virale TikTok-Trends, österreichische Klassiker. Ich teste sie alle und teile nur, was überzeugt.
Was wusstest du am Anfang noch nicht, hätte dir im Rückblick aber das Substack-Leben einfacher gemacht?
Dass man einfach anfangen soll, auch wenn die Idee noch nicht perfekt ist. Ich hab 2024 mit Substack gestartet, 19 Ausgaben verschickt, dann über ein Jahr pausiert, weil ich dachte, ich brauch erst ein besseres Konzept. Dabei lernt man das meiste durchs Machen. Die Pause war verschwendete Zeit.
Sei ehrlich, wie oft checkst du das Dashboard?
Noch im gesunden Rahmen. Nach dem Versenden versuch ich, mindestens 24 Stunden nicht auf die Open Rate zu schauen. Klappt selten.
Was hast du zuletzt auf Substack gelesen, gehört oder gesehen, das du nicht gesucht hattest und dich doch nicht losließ?
Letztens entdeckte ich Jürg Vollmers Fermentations-Serie. Fand ich sehr spannend, weil Fermentieren etwas ist, das ich ewig machen wollte, mich aber nie getraut hab. Tobias Müllers Marktbericht hat mich motiviert, selbst wieder öfter am Markt vorbeizuschauen, bei Britta Wiegelmann hole ich endlich mein Weinwissen nach und Gesa Mayrs The Pop Around the Corner hat mich dazu gebracht, Industry noch eine Chance zu geben – thank God, denn ich hab das Staffelfinale geliebt!
Über Substack hab ich auch Anne-Kathrin Gerstlauers Master-Sprach-Prompt entdeckt, der mittlerweile mein täglicher Life-Saver ist und mich zum TextHacks-Fangirl gemacht hat. Ich hoffe, die Vermeidung von Nominalstil unter Berücksichtigung der Empfehlungen zur Optimierung meiner Ausdrucksweise ist mir gelungen.
Fläsh
In beinahe alles, das Substack am Interface ändert, wird ein Indiz dafür hineingelesen, dass die Plattform mehr soziales Netzwerk sein will. Wer die Oberfläche betrachtet, vergisst leicht, dass die Plattform kein Geld verdient, wenn Menschen sich digital mit Herzchen überschütten.
Mehr als an Leser*innen, die Substacks entdecken, hat Substack ein Interesse an Substacker*innen, die ihren Geschäftssinn entdecken. Die jüngsten Verbesserungen – manche so rasend sexy wie der Export von Statistiken im CSV-Format – mögen dem Auge nicht schmeicheln. Für den langfristigen Erfolg von Substack dürfte ihre Bedeutung kaum zu überschätzen sein.
Text-Puristen müssen meist sehr stark sein, wenn Substack-Verlegerinnen was geschenkt bekommen. Erst diese Woche hat Substack wieder ein Feature-Paket vorgestellt, das ausschließlich Video-Creator becirct. Mit dem „Substack Recording Studio“ können etwa Talk-Shows live-on-tape produziert und zu einem späteren Zeitpunkt publiziert werden. Bisher waren solche Formate nur in Echtzeit möglich.
In der Ankündigung vom Donnerstag packt Substack auch wieder die Gebetsmühle aus. Substacks, die Audio oder Video nutzten, wüchsen 50 Prozent schneller als Substacks, die das nicht täten. Angesichts solch verlockender Zahlen bleibt nur eine Frage: Was war zuerst da? Das Huhn mit eigener Video-Talkshow oder die Plattform, die das Ei in den Hals jedes Osterhasen zwischen hier und San Francisco stopft?
Genug geätzt. Spielen wir stattdessen mal Christian Lindner … und verkleiden uns als Peek & Cloppenburg-Schaufensterpuppe, die im Grunewald rumsteht? Nein, sehen wir mal überall eine Möglichkeit, in die Hände zu spucken!
Angesichts des Niedergangs des Privatfernsehens und der fast nicht existenten technischen Einstiegshürden stellt sich durchaus die Frage: Wo ist eigentlich der deutsche Mehdi Hasan? Hasan, der im klassischen TV groß geworden war, gründete vor zwei Jahren seinen eigenen Fernsehsender. Als technologische und ökonomische Plattform nutzt er Substack.
Diese Form des Unternehmertums ist den deutschen Micheln nicht gerade in die Wiege gelegt (erst recht nicht den Medien-Micheln). Aber Ausnahmen bestätigen doch sprichwörtlich die Regel. Oder etwa nicht, Anne Will, Robin Alexander, Der Spiegel, Jan Köppen ...?
Q&Ä
Ein UPDÄTE-Update, das mich sehr glücklich macht: Ab heute beantwortet Nina Klose an dieser Stelle Eure Fragen rund ums Publizieren auf Substack! In ihrem Substack Text. System. Freiheit. gibt Nina regelmäßig Tipps für erfolgreiches Unternehmer*innentum rund ums Schreiben. Wer’s ernst meint mit Substack, kommt an ihrem Substack-Starterkit nicht vorbei. Hier im UPDÄTE beantwortet sie einmal im Monat eine drängende Creator-Frage.
Muss ich auf Substack auf Englisch schreiben, um Leser zu finden?
Nein. Wirklich nicht. Die Annahme, dass man nur auf Englisch genug Leser findet, hält sich hartnäckig, stimmt aber so nicht. Reichweite entsteht durch Klarheit und Perspektive, nicht durch Sprache. Wer auf Deutsch schreibt, erreicht Menschen, die einen nicht nur sprachlich, sondern auch kulturell verstehen.
Der deutschsprachige Raum auf Substack ist noch überschaubar, aber genau das kann eine echte Chance sein. Du konkurrierst nicht gegen Millionen englischer Mega-Accounts, sondern findest dich in einem noch jungen Markt wieder. Wenn dir Deutsch also leichter fällt, schreib auf Deutsch. Das merkt man, und zwar positiv.
Hast Du eine Frage zu Strategie, Business oder Technik, dann schick uns eine Nachricht und wir beantworten sie in einem nächsten UPDÄTE: thecreatorshift@andreas-laux.de
Das nächste UPDÄTE erscheint am 19. April.
Das „wirklich wahre Verzeichnis von Substacks aus Deutschland, Österreich und der Schweiz“ will die deutsche Community sichtbarer machen und die Lesenden schneller zu den Geschichten bringen, die sie suchen. Das Substäck ist kein offizielles Projekt von Substack, sondern von mir.
Alle Infos von The Creator Shift sind und bleiben gratis. Mit einem bezahlten Abo unterstützt du meine Arbeit. Für Content Creator und Unternehmen mit Substack-Ambition biete ich außerdem ein Strategie-Mentoring und Beratung an.







Danke für die Bluuuuumen! Alles tolle Enpfehlungen, und ja, dranbleiben und ausprobieren!!!
Frage mich zum Thema Englisch schon, ob bestimmte Nischen nicht doch irgendwann umsteigen müssen. Für Popkultur und Streaming gibt es in Deutschland traditionell ein eher kleines Publikum.